2. Media Mundo Kongress in Berlin
Jung und frisch – so präsentierte sich der 2. Media Mundo Kongress für nachhaltige Medienproduktion, der am 5. und 6. Mai 2010 in Kooperation mit der Messe Berlin und ClimatePartner stattfand. Das von Gute Aussicht entwickelte Corporate Design, das dem Kongress schon letztes Jahr den visuellen Rahmen gab, weckte sofort Erinnerungen an die 1. Media Mundo. Es wurde natürlich über nachhaltige Medienproduktion diskutiert und wie im letzten Jahr auch, wurden alle Druckwerke wieder klimaneutral produziert.
„Nachhaltige Unternehmen werden die Gewinner der Wirtschaftskrise sein“
Der 2. Media Mundo Kongress bewies, dass das Thema der nachhaltigen Medienproduktion in der Druck- und Kommunikationsindustrie immer mehr an Bedeutung gewinnt. Für mich bleiben keine Zweifel offen: Gerade diesen zwei Industrien stehen vielfältige Möglichkeiten des aktiven Klimaschutzes zur Verfügung.
Was mir jedoch aufgefallen ist, ist, dass das Thema immer noch nicht in Werbeagenturen sowie der Beratungsszene angekommen ist. Hier gibt es meiner Meinung nach noch viel zu tun! Gute Aussicht Kommunikations GmbH ist hier sicherlich eine Ausnahme. Bereits seit 2008 arbeiten wir klimaneutral und auch bei der letztjährigen Media Mundo konnte ich mit meinem Vortrag "Nachhaltige Markenkommunikation" Besucher für dieses Thema sensibilisieren.
Eines ist aber klar: Das Thema nachhaltige Medienproduktion ist kein kurzfristiger Trend, sondern hat sich etabliert – sowohl in der Produktion als auch in den Kundenanforderungen. Die Druck- und Kommunikationsindustrie steht meines Erachtens aber noch vor großen Herausforderungen und es gibt noch einen großen Bedarf an Basisarbeit.

Die Keynote
Für mich hielt Professor Dr. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Keynote. Er hat auf beeindruckende Art und Weise Klarheit geschaffen und aufgezeigt, dass kein Weg am Erreichen des 2°-Ziels vorbeigehen darf. Bis 2050 dürfen nur noch 750 Gigatonnen CO2 emittiert werden und vor 2020 muss die Wende geschafft sein.
Hier ein paar Statements aus seiner Präsentation:
- Prof. Stefan Rahmsberg hat die biologischen und physikalischen Aspekte der Klimaerwärmung sehr beeindruckend dargestellt
- Die globale Erwärmung wurde bereits 1896 von Arrhenius vorhergesagt. Sie ist zu 100% auf den Menschen zurückzuführen.
- Ende des Jahrhunderts wird der Meeresspiegel um einen Meter angestiegen sein, wenn wir nicht weniger CO2 emittieren.
- Das Abschmelzen von Grönland und der Westantarktis würde den Meeresspiegel um ca. 13 Meter heben
Weitere Referenten waren:
- Rainer Litty (WWF)
- Dr. Uwe Sayer (FSC Deutschland)
- Dr. Nikolai A. Behr (Corporate TV Association)
- Dieter Ebert (Druckhaus Berlin Mitte)
- Eckard Bölke (IRD)
- Erik Brammer (Hewlett-Packard)
- Christoph Braun (Antalis)
- Rainer Burkhardt (KircherBurkhardt)
- Johannes Ferger (Xerox)
- Achim Geigle (NaturEnergie)
- Klaus Göttler (Star Distribution)
- Benjamin Hillscher (Star Publishing)
- Susanne Klaar (Designerin)
- Henning Krause (Berufsverband der Deutschen Kommunikationsdesigner)
- Lorenz Mayer-Kaupp (Zumtobel)
- Sönke Nissen (Initiative Pro Recycling)
- Steffen Rennstich (Boehringer Ingelheim Pharma)
- Nicole Werner (Antalis)
„Nachhaltigkeit überlebt die Krise“
Ich bin froh, dass die Druckbranche längst über das Thema des „klimaneutralen Druckens“ hinaus ist. Es gibt diverse Angebote und Zertifikate, die den CO2-Ausgleich der Medienproduktion ermöglichen. Für die Papierauswahl gilt: Es stehen zahlreiche umweltgerechte Lösungen zur Verfügung. Dabei sollte Recyclingpapier mit dem Gütezeichen Blauer Engel stets die erste Wahl bleiben. Lässt sich eine Nutzung von Papieren mit Frischfaseranteilen nicht vermeiden, garantiert die Zertifizierung nach FSC die nachhaltige und ökologisch sinnvolle Waldwirtschaft. Sehr viel Potenzial birgt auch das Energiemanagement und der Einsatz von Energie aus regenerativen Rohstoffen.
Es gibt also tatsächlich eine Menge an Einzelmaßnahmen, die man umsetzen kann, um umweltgerechter oder nachhaltiger zu produzieren. Trotzdem wurde für mich und für viele andere auf dem Kongress deutlich, dass Anspruch und Wirklichkeit in vielen Fällen noch weit voneinander entfernt sind. So halten sich manche Auftraggeber, die sich eigentlich aktiv für ökologische Ziele engagieren möchten, zurück, weil es an notwendigen Informationen mangelt. Den universalen Weg der nachhaltigen Medienproduktion gibt es bislang noch nicht. Vor allem fehlen offizielle Standards und Empfehlungen, die allen Beteiligten Sicherheit und konzeptionelle Unterstützung bieten. Zudem verfügen viele Unternehmen der grafischen Industrie oft noch nicht über konkrete Nachhaltigkeitsstrategien.
Aus dieser Situation ergibt sich für die Media Mundo-Initiative
www.MediaMundo.biz sowie den nächsten Media Mundo Kongress das Ziel, aus den verschiedenen Teildisziplinen „offizielle“ und „unpolitische“ Empfehlungen zu entwickeln, die einen roten Faden der nachhaltigen Medienproduktion darstellen. Einige dieser Empfehlungen sollen in diesem Jahr vom f:mp noch veröffentlicht werden.
Ein paar interessante Messestände gab es auch noch auf der "postprint berlin – Fachmesse für die Bereiche Druck, Weiterverarbeitung und Marketing", die parallel zum 2. Media Mundo Kongress auf dem Messegelände stattfand. Es wurde ein breites Produkt- und Dienstleistungsspektrum rund um die Themen Druckvorstufe, Druck, Weiterverarbeitung und Postbearbeitung/-versand präsentiert.

Mein Fazit
Für mich war die 2. Media Mundo eine rundum gelungene Konferenz – mit einem kleinen Haken: das Catering. Es gab tatsächlich Spaghetti mit Tomatensoße! Und das, obwohl neben mir auch viele andere Besucher im Anzug und weißem Hemd unterwegs waren. Tja – man braucht noch Herausforderungen im Leben. :)
Twitter & Co
Die von ClimatePartner eingerichtete Twitterwall zur Media Mundo
http://twitterwallr.com/2mm wurde parallel zur Veranstaltung von Alexander Rossner (Geschäftsführer ClimatePartner, München), seinen Kollegen und mir genutzt und mit vielen Statements und Anmerkungen befüttert. Alexander Rossner hat auch die neue Online-Plattform www.klimaneutraldrucken.de. vorgestellt. Auf "klimaneutral Drucken" werden die auftragsbezogenen CO2-Emissionen berechnet und können ausgeglichen werden.
Einen Kommentar schreiben