27.05.2010

Mehr Schriften für Alle

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Von Thomas Kleinmaier

Anlässlich der Entwicklerkonferenz Google I/O in San Francisco haben Google und das Start-up Unternehmen Small Batch Inc. am 19. Mai eine Kooperation in Sachen Web-Typographie bekanntgegeben. Mit dem Google Font Directory können nun Open Source Fonts unabhängig von den vorhandenen Systemschriften auf allen Rechnern problemlos dargestellt werden. Ein wichtiger Schritt für typographische Vielfalt im Web.

Small Batch steht hinter der Website Typekit, die es Webdesignern ermöglicht, zahlreiche Schriften zur Darstellung auf ihren Seiten direkt vom Typekit-Server einzubinden – gegen Gebühr, denn die meisten Fonts stehen nicht unter einer freien Lizenz.
Gemeinsam mit Google hat Typekit nun seine Scriptbibliothek Font Events, die Entwickler bei der Einbindung und Darstellung nicht standardisierter Fonts unterstützt, als Open-Source-Projekt unter dem Namen WebFont Loader freigegeben. Damit das System nicht auf zahlende Kunden beschränkt bleibt, haben Google und Typekit auch Open-Source-Webfonts bereitgestellt, die von Googles Servern aus eingebunden werden können, ein wirklich nützliches Feature, das den Einsatz eines breiteren Spektrum an Schriften auf einer Webseite ermöglicht.

Bisher unterlagen Webdesigner hier deutlichen Einschränkungen. In der Regel muss eine genutzte Schriftart auf den Rechnern möglichst aller Nutzer vorliegen. Deshalb sind auf den meisten Seiten im Netz stets die gleichen Standard-Schriften zu finden: Arial, Verdana und vielleicht noch Times New Roman – Webdesign ist auf eine Handvoll Schriften reduziert, die sehr verbreitet sind und zum Teil vor über 10 Jahren für die Textdarstellung auf 90er-Jahre Displays entwickelt wurden. Dieser kleinste gemeinsame Nenner ist eine große Einschränkung für alle Designer.
Wer ausgefallene Schriften benutzen wollte, musste bisher Grafiken einbinden, welche dann aber nicht mehr als Text von den Crawlern der Suchmaschine ausgewertet werden konnten. Oder er musste sein Glück mit allerlei Hacks versuchen, die Fonts in Webseiten einbinden und dafür meistens noch JavaScript beim Leser voraussetzen. Etliche Versuche, die Lage zu bessern, blieben Nischenlösungen.

 

Open-Source Fonts Auswahl Googles derzeit noch im Betastadium befindliches Font Directory generiert automatisch einen Web-Fonts-Code, der beim Entwickeln einer Webseite nur noch in den Quellcode kopiert werden muss. Die Schriften werden dann jeweils direkt von einem Google Server als CSS-Datei nachgeladen, was aufgrund der schieren Masse an Google-eigenen Servern für einen akzeptabel schnellen Download des Fonts sorgt. Zudem unterscheidet die serverseitige API selbstständig, ob der jeweilige Browser TTF- oder EOT-Formate benötigt.
Bislang stellt Google 18 verschiedene Schriften in einer zentralen Übersicht zur Verfügung. Die Fonts stehen alle unter freien Lizenzen und können so auch kommerziell bedenkenlos eingesetzt werden.
Besonders schön: Auch wenn Google explizit nur Chrome, Firefox, Safari und Internet Explorer nennt, funktioniert das ganze auch in einem aktuellen Opera. Sogar der leider unausrottbare Internet Explorer 6 kommt mit solchen Webfonts klar.

Zum Font Directory gesellt sich noch der der WebFont Loader, der Javascript-Code bereithält, um die unterschiedlichen Herangehensweisen diverser Browser an Schriften zu kompensieren. Der Code sorgt dafür, dass die Website beim Laden mit jedem Browser gleich aussieht, also z.B. erst die Schrift geladen und dann die Seite aufgebaut wird.

Die ganze Angelegenheit ist dermaßen praktisch, dass es mich nicht wundern würde, wenn Web-Entwickler künftig im großen Stil darauf zurückgreifen. Der Haken: Nach Adsense und Analytics wäre das eine weitere Technik, die dazu führt, dass unsere Browser beim Laden von Webseiten mal kurz bei Google vorbeischauen und potenziell zum Tracken unseres Surfverhaltens dienen könnte. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Fonts und CSS-Datei auf dem eigenen Server zu installieren.

Zum Font Directory

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